Foto © Hans-Dieter Brand

Donnerstag, 20. Juni, 19–21 h

Einfach Umbauen

Sanieren im Bestand als Programm
und Abenteuer

mit
Hans-Dieter Brand / Bauherr, Wolfsburg
Karin Kellner / Architektin, Hannover
Stephan von Friedrichs / Jurist, GF Ingenieurkammer Niedersachsen

Ort
Klaus-Fröhlich-Hörsaal (B 302)
Leibniz Universität Hannover
Welfengarten 1, 30167 Hannover

Eintritt frei   (Spenden sind willkommen :-)

Bestandsbauten fit machen

In Wolfsburg Detmerode steht das höchste Wohnhochhaus Niedersachsens. Mit 13 und 23 Stockwerken Höhe prägen die beiden Gebäudetürme das Bild im Süden der Autostadt. Der Volksmund nennt das Ensemble liebevoll »Don Camillo & Peppone«. In den 1960er Jahren errichtet, stehen sie exemplarisch für das bauliche Erbe der Nachkriegsmoderne, das jetzt eine kritische Lebensdauer erreicht.

Modernisieren oder Abreißen — diese Alternative stellt sich Eigentümerinnen und Bauherren landauf, landab. So auch der städtischen Wohnungsgesellschaft NEULAND, die 2015 die Detmeroder Wohntürme erwarb. Die Optionen Umbau vs. Neubau hielten sich rechnerisch die Waage und man entschied sich für Ersteres. Eine gute Entscheidung?

Umbauen als Programm

Weil der Abriss und Neubau von Gebäuden viel mehr Energie und Material verbraucht als deren Umbau, gilt heute als zeitgemäß, Bestandsgebäude zu erhalten und an aktuelle Bedürfnisse anzupassen. Eine neue Umbaukultur genießt als ökologisches und städtebauliches Paradigma großen Zuspruch.

Umbauen als Abenteuer

Die Wolfsburger Erfahrungen sind gemischt. Nachdem die Hälfte der Strecke absolviert ist, rührt sich langsam die Vorfreude, welch attraktive Gebäude hier entstehen. Zugleich herrscht eine gewisse Ernüchterung, weil etliche Rahmenbedingungen das Projekt unnötig erschwert und verteuert haben. Wer umbaut statt abzureißen, so die Erkenntnis, macht zwar ideell alles richtig, zahlt aber letzlich drauf. Wehe, wenn das Schule macht!

Einfacher, schneller und günstiger

Das Land Niedersachsen sieht sich als Vorreiter einer Bau-Offensive. Eine Novelle der NBauO – der Niedersächsischen Landesbauordnung – soll Anforderungen absenken, wo sie überzogen wirken und Bautätigkeit lähmen. Für Umbauten soll künftig gelten, dass sie nicht länger am Standard für Neubauten gemessen werden. Ob hier die richtigen Weichen für eine aufblühende Umbaukultur gestellt werden, wird sich zeigen.

Die beiden Wohntürme aus den 1960er Jahren werden nach Plänen des Architekten Chris Doray (Vanvouver) umgestaltet. Foto © Hans-Dieter Brand

»Wir können nicht nur neu bauen. Wir müssen uns auch sehr genau den Bestand ansehen. Und wir müssen sehen, ob wir nicht sanieren können. (...) Wolfsburg sollte Maßstab sein für viele weitere Projekte in Niedersachsen!« Bauminister Olaf Lies vor Ort im April 2020. Foto © Hans-Dieter Brand

Unsere Gäste

Hans-Dieter Brand ist Sprecher der Geschäftsführung der städtischen Wohnungsgesellschaft NEULAND in Wolfsburg. Das hier vorgestellte Revitalisierungsprojekt in Detmerode hat er von Beginn an mitgestaltet und begleitet.

Karin Kellner ist Architektin und Stadtplanerin im Büro ksw in Hannover und Mitglied im Vorstand der Architektenkammer Niedersachsen. Sie hat wichtige Anstöße zur Novellierung der NBauO in Richtung einer Umbauordnung gegeben.

Stephan von Friedrichs ist einer der drei Geschäftsführer der Ingenieurkammer Niedersachsen. Der gelernte Jurist vertritt die Ingenieure und Sachverständigen des Bauwesens und war an der Novellierung der NBauO beteiligt.